Re: Anmachen + Schuechternheit

From: jardar@nvg.ntnu.no.FJERN_DETTE (Jardar Eggesboe Abrahamsen)
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Subject: Re: Anmachen + Schuechternheit
Date: Tue, 21 Apr 1998 02:10:43 +0200
Message-ID: <1d7t7qx.lokmxn1xquzhbN@susanti-10.itea.ntnu.no>

Luke <1013-751@online.de> schrieb:

> Nun komme ich
> mir aber ziemlich dumm vor ohne Freundin, unswar vorallem dann wenn ich
> mit meinen Freunden in die Disco oder ins Kino gehe und ein teil von
> ihnen ihre Freundinnen mitbringt und ich doof alleine dastehe.

Das ist ja ein Grund, um sich eine Freundin zu wünschen, aber
wahrscheinlich kein guter Grund um sich eine zu suchen. Ich würde
jedenfalls nicht empfehlen, eine Freundin zu bekommen, nur um solch eine
«Funktion» zu erfüllen. Ein Mädchen ist auch ein Mensch (obwohl wir
Jungen/Männer daran gern zweifeln...).

Aber ich weiß genau, was Du gemeint hast... :-/

Im norwegischen no.prat.seksualitet hat Anne Jorunn Midkil Leirtrø
diesen Artikel geschrieben (meine Übersetzung), sie kann viellecht deine
Frage beantworten:

   Subject: Wann finden wir einen Partner?

   Warum ist es so schwierig, eine(n) zu finden, mit dem/der wir das
   Leben teilen können?

   Ich bin seit 5 Jahren allein, nach einem sehr langen Verhältnis, das
   begann als ich noch Teenager war. Die erste Zeit nach dem Bruch war
   schon die Arbeit schwer genug, mich selbst wieder zu finden: was bin
   ich, und was von mir war eigentlich aus dem Paar entstanden, und aus
   der Verstehung vom Begriff "wir"?

   Aber nach einer Weile fühlte ich mich wieder bereit für ein neues
   Verhältnis. Das kam aber nicht, und jetzt sehe ich ganz klar, daß ich
   "auf die Jagt ging", d.h., ich habe signalisiert, daß ich einen
   Freund wünschte. Ich glaube, meine Umgebungen haben diese Signale
   gemerkt, und alle, die nicht Nesterbau im Sinn hatten, entwichen
   sofort...

   Nach noch einer Weile war ich mit meinem einsamen Leben zufrieden:
   wirklich Ruhe in meiner eigenen Gesellschaft zu finden. Zu verstehen,
   daß man mehr Zeit bekommt, wenn man allein ist, und daß man um sich
   selbst besser kümmert, das hat mich sehr vergnügt mit dem leben
   gemacht (ja, ich bin ja ein Mädchen ;-) ).

   Aber mit dieser neuen Einstellung zu meinem Leben ist auch etwas in
   meiner Beziehung zur übrigen Welt geschehen. Die letzten zwei Jahre
   habe ich erlebt, eine lange Reihe seriöse und nicht so seriöse
   Angebote zu bekommen. Und nicht zuletzt, ich habe faktisch mehrere
   mittellange Verhältnisse gehabt. Keine von denen haben bis zum
   Nesterbau funktioniert, aber das beruht wahrscheinlich mehr auf
   meinem Selbständigkeitsdrang und der Tatsache, daß ich noch nicht
   weiß definitiv, womit ich leben kann...

   Auf meinem eigenen Leben gebaut, und auf genereller Hobbysoziologie,
   würde ich behaupten, daß es für "nicht so junge" Frauen und
   Männer in der gegenwärtigen Welt ein großer Vorteil ist, wenn man
   eine(n) nicht _sucht_, wenn man eine(n) sucht. Man kann seinen
   Horizont erweitern. Statt in die Disko zu gehen kann man etwas neues
   in seiner Freizeit tun. Auf diese Weise wird man neue Menschen
   kennenlernen. Aber das wichtigste: Sitze nicht mit Deinem
   Selbstmitleid, sieh nicht einen potenziellen Partner in allen
   einsamen. Aber sei wer Du bist, und sei damit zufrieden. Dann wirst
   Du automatisch eine spannende Person mit wem zu reden, und das ist ja
   ein guter Anfang.

   Ich glaube, genau dies ist der Grund, warum ich die Angebote bekomme,
   und nicht eine von meinen tollen Freundinnen, die mehrmals deutlich
   geäußert hat, daß sie jetzt für Mann und Kinder bereit ist, und daß
   ihr das einsame Leben nicht gefällt...


(Entschuldigt mein Deutsch -- ich bin Norweger und spreche seit sechs
Jahren kaum die Sprache.)

Jardar